~ 1 December 2009 ~
Vorhin habe ich etwas über Wham! gelesen und spontan mal ein bisschen „Last Christmas“ zu mir selbst gesungen, um mich in Vorweihnachtsstimmung zu bringen. Aber das hat leider nicht geklappt und ich bin schnell wieder auf Jersey Rock umgestiegen. Jetzt lasse ich mich gerade von Bruce Springsteen inspirieren… und weihnachtsstimmungsmäßig läuft gar nichts.
Das liegt aber nicht an Wellington – im Gegenteil, hier ist alles (mehr oder weniger) schön dekoriert, ein bisschen bunt und schrill, aber immer noch irgendwie weihnachtlich.
Wo ich gerade von Weihnachten spreche: Mir ist aufgefallen, dass es hier keine Krippen gibt. Jeder hat natürlich Weihnachtsbäume und Glaskugeln und Lametta und Lichterketten, aber Krippen gibt es keine (und demnach auch keine Krippenspiele, nehm ich mal an). Und Zweige und Adventskränze auch nicht. Und die Radiosender spielen auch keine Weihnachtslieder rauf und runter, das kommt erst kurz vor Weihnachten. (Deshalb musste ich „Last Christmas“ ja auch selber singen)
In meinem Bestreben, Weihnachtsstimmung aufzubringen, habe ich gerade versucht, meinen Adventskalender aufzuhängen. Das wäre fast ein Zahnseidendesaster – Klappe, die Zweite geworden, denn BlueTack half diesmal nicht und der Kalender stürzte drei Mal ab. Jetzt ist das neunzehnte Türchen offen und ich kann das Gesicht eines Schoko-Schafes sehen. Es guckt ziemlich frech, sag ich euch.
Journalistisch gesehen fühle ich mich zwar in letzter Zeit etwas ausgebrannt (wahrscheinlich hätte ich mir in den Ferien eben doch Ferien gönnen sollen), aber gleichzeitig auch total inspiriert. Vor allem die letzte Woche war diesbezüglich äußerst interessant. Am Montag hab ich überrascht festgestellt, dass ich abends einen Termin hatte. Ich hatte mich schon vor einigen Wochen bereit erklärt, an einer Veranstaltung teilzunehmen, hatte es dann aber ganz vergessen und es ist nur dem puren Zufall zu verdanken, dass ich noch rechtzeitig bemerkte, dass es an diesem Montag war.
Es war das erste Treffen der Gesellschaft der Investigativen Journalisten Wellingtons und ich hatte eigentlich vielmehr eine Art Vortrag oder so etwas erwartet, aber stattdessen war es tatsächlich ein Treffen im kleinen Kreise. Das Treffen fand im ersten Stock im Bats Theatre statt – einem Haus, das eben unten ein Theater beherbergt. Das Haus ist relativ alt und die Räume gehören den Mitgliedern des „Royal Antediluvian Order of Buffaloes“ (worunter wir uns zunächst auch nichts vorstellen konnten, aber ich erinnere mich, dass mir mein Onkel mal von diesem ‘Orden des vorsinntflutlichen Büffels’ erzählt hat – und ich mir nicht sicher gewesen war, wie ernst er das meinte). Es gab ein paar wenige Möbelstücke, eine Kommode, ein kleines Stehpult und überall standen so komische Hörner herum, die auf Holzbretter genagelt waren. Rechts und links davon waren rote und blaue Glühbirnen. An der Wand hing ein schwarz-weißes Bild, das die Queen in jungen Jahren zeigte. Alles sehr dubios, aber ich habe ein wenig Recherche betrieben und herausgefunden, dass die Ursprünge des „Königlichen, vorsintflutlichen Ordens der Büffel“ auf England und das Jahr 1822 zurückgehen, als irgendjemand die schicke Idee hatte, einen Geheimorden zu gründen.
Fast ein bisschen wie das Treffen eines Geheimordens fühlte sich auch unser Treffen an. Draußen wurde es langsam dunkel, das Licht flackerte, Regen setzte ein, von der Straße her drang das Lachen der Theaterbesucher herauf. Und da waren wir: eine Gruppe von neun Journalisten (und Möchtegern-Journalisten so wie ich) und einem Anwalt, der versuchte, uns beizubringen, dass man seine Quellen nicht immer schützen kann oder darf. Wir diskutierten darüber, wann man seine Quellen offenbaren sollte und wann nicht und was das Gesetz diesbezüglich vorschreibt. Wir tranken Tee und aßen TimTams. Und als ich nach gut zwei Stunden mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht durch den Nieselregen nach Hause marschierte, fühlte ich mich, als hätte ich den Abend in einem konspirativen Haus des Secret Service oder sowas verbracht. (Ganz zu schweigen darüber, wie begeistert ich darüber war, dass ich so einfach Kontakte mit ein paar sehr wichtigen Journalisten Neuseelands geknüpft hatte).
Das Kontakte-Knüpfen ging weiter diese Woche, denn am Mittwoch fuhr ich endlich nach New Plymouth, um einen dort lebenden Deutschen zu interviewen, der dort Pferde züchtet und angeblich das neuseeländische Olympia-Team für 2012 unterstützen will.
Die ganze Sache geht schon seit Januar, unzählige Male hätte ich schon nach New Plymouth sollen, aber aus irgendwelchen Gründen war es immer in letzter Minute abgesagt worden. Dann, am Freitag, bekam ich einen Anruf von Whena Owen, der TV3 Journalistin, die ebenfalls über die Sache berichten sollte. Ich traf sie noch am selben Tag und wir beschlossen, am nächsten Mittwoch nach New Plymouth zu fahren.
Der Mittwoch fing stressig an, entwickelte sich aber zu einem großartigen Tag. Das Wetter war gut und unser kleines Flugzeug brauchte nur etwas mehr als eine halbe Stunde, um uns nach dort oben zu fliegen. Am Flughafen wurden wir von einem ortsansässigen Fotografen abgeholt, der die Story an uns weitergeleitet hatte, und obwohl ich während der einstündigen Fahrt zu der Farm ein klein wenig Reiseübelkeit verspürte, konnte ich den Ausblick auf Mt Taranaki und die Landschaft genießen.
Der Deutsche begrüßte uns mit einem Glas (oder auch zwei) seines selbst-gekelterten Weines (mein erster Drink an diesem Tag – und Frühstück hatte ich auch keines gehabt) und einem leichten Lunch (Fleischbällchen, Eiersalat, Lachs auf Brot…) und führte uns dann über sein Anwesen. Wir sahen seine Pferde, lernten seinen Trainer kennen und genossen den Ausblick auf die sechs oder sieben Kilometer Küstenlinie, an die sein Grundstück grenzt.
Es war ein großartiger Tag, vor allem deshalb, weil ich Einblicke in die Arbeitsweiße von Whena und Billy (ihr Kameramann) bekam und beobachten konnte, wie sie ihren Job machten.
Als ich am Abend aus dem Taxi stieg, hatte ich einen Fast-Sonnenbrand und war glücklich – auch wenn sich eigentlich im Laufe des Tages herausgestellt hatte, dass die angebliche Story eigentlich gar keine sooo große Story war. Aber ich hatte an Erfahrung gewonnen, das war doch schon einmal was.
Was aber fast noch interessanter war, war die Tatsache, dass Whena mich für Donnerstag in die Räume des TV-Senders einlud, so dass ich beim Schneiden zuschauen konnte – und da sah ich, dass die Menschen vom Fernsehen offenbar auch nichts anderes machen als wir kleinen Möchtegern-Journos… mit dem Unterschied, dass die sich mit ihrer Technik auskennen und wir nicht.
P.S.: Was ich beinahe vergessen hätte: mein erster Artikel wurde in der Zeitung veröffentlicht. Sie haben meinen Nachnamen “Dunkel” statt “Dankel” geschrieben, aber das hat jetzt wenigstens zur Folge, dass die Leute ihn zumindest richtig aussprechen und tatsächlich “Dankel” sagen und nicht “Dänkl”.
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A short while ago I read something about Wham! and impulsively sang a little bit of „Last Christmas“ to myself to get myself into pre-Christmas-mood. That didn‘t work unfortunately and so I switched back over to Jersey Rock. Now I leave it up to Bruce Springsteen to inspire me… and Christmas-mood-like nothing is happening.
Wellington is not to blame for that – au contraire everything is (more or less) lovely decorated here, a little bit colourful and shrill, but still kind of festive.
Speaking of which: I noticed that they don‘t have any cribs here (and no nativity plays either, I presume). Everyone has Christmas trees, of course, and Christmas bulbs and tinsel, but no cribs. And no branches or Advent wreaths either. And the radio stations don‘t play Christmas carols up and down either, that will happen just before Christmas. (Hence I had to sing „Last Christmas“ myself).
In trying to create some Christmas spirit, I just attempted to put up my Advent calendar. Which quite frankly could have ended up being “Dentalfloss-desaster Part II“, because this time Blue Tack wasn’t much of a help and the calendar fell down three times. Now, the nineteenth door is open and I can see the face of a little chocolate-sheep. It looks pretty cheeky, I can tell you.
From a journalistic point of view, I feel kind of burnt out lately (I guess I should have allowed myself some holidays during the holidays), but the same time very inspired as well. Especially last week was pretty interesting. On Monday, I discovered that I had a meeting to go to at night. Weeks ago I had already agreed to attend, but then I had forgotten about it and it’s only thanks to pure fate that I noticed that it was actually this Monday.
It was the first meeting of the Investigative Journalism Wellington Society and I actually expected some kind of presentation or something, but it was actually more like a little meeting. We met on the first floor of the Bats Theatre – a house that, you may have guessed, hosts a theatre. The building itself is relatively old and belongs to the “Royal Antediluvian Order of Buffaloes” (at first, we haven’t had a clue what that was supposed to be, either, but I remember my uncle telling me about such an order – and I wasn’t sure how serious I could take his statement). There was a bit furniture, a chest of drawers, a standing desk and there were all those horns sitting around, nailed to planks with red and blue lightbulbs next to it. At the wall, there was an old black and white picture of the young Queen. Pretty shady everything, but I did a little bit of research and found that the origins of the “Royal Antediluvian Order of Buffaloes” go back to England and the year 1822, when someone had the fancy idea of founding some sort of secret order.
Our meeting almost felt a little bit like the meeting of a secret society, too. It got dark outside, the light flickered, it came on to rain, and from the street we could hear the playgoers’ laughter. And there we were: a bunch of nine journalists (and wannabe-journalists like me) and a lawyer, who tried to teach us in which situations we should reveal our sources and in which we’d better not – and what the law signifies. We drank tea and ate TimTams. And when about two hours later I made my way home, through the drizzle and with a big grin on my face, I felt as if I had spent the night in a conspiracy building of the Secret Service or something like that). (Let alone my enthusiasm about the fact that I had established some contacts with some of New Zealand’s top journos).
Establishing contacts, that’s what I pretty much did for the rest of the week as well, because on Wednesday I finally went up to New Plymouth to interview a German, who breeds horses there and -apparently- wants to support the New Zealand equestrian team for the Olympics 2012.
Then, on Friday, I got a call from Whena Owen, the TV3 reporter, who was also covering the story. I met her the same day and we agreed to go up to New Plymouth on Wednesday.
Wednesday started stressfully, but turned out to be a great day. The weather was fine and it took our little plane just a little bit more than half an hour to fly us up there. At the airport, a local photographer, who had passed on the story to us, picked us up and although I got a little bit travelsick on the one-hour-drive to the farm, I enjoyed the beautiful scenery around Mt Taranaki.
The German welcomed us with a glass (or two) of his home-made wine (my first drink of the day and I haven‘t had breakfast either) and a light lunch (German meatballs, egg salad, salmon on bread…) and then showed us around his property. We saw the horses and met his horse trainer and we had a great view on the six or seven kilometres of coastline his property borders at.
It was a great day, especially because I got to see how Whena and Billy (her cameraman) work and how they perform to do their job.
When I got out of the taxi that night, I was almost-sunburnt and happy – even though it turned out that the expected story was actually not much of a story really. But at least I had gained some experience, if nothing else.
Even more interesting though was the fact that Whena invited me to come along to watch the editing-process at the TV studios on Thursday – and there I noticed that all those TV people don‘t actually do any other things than what we wannabe-journos do… apart from the fact that they obviously know how to use their technical devices and we don‘t.
P.S.: I almost forgot to tell you: my first story got published in the newspaper. They misspelled my last name as “Dunkel” instead of “Dankel” but at least this makes the people pronounce it properly now so that they actually say “Dankel” and not “Dänkl” as they used to.



















[...] UPDATE: Gerade eben hat TV3 das Video ausgestrahlt, das gedreht wurde, als ich das Team nach New Plymouth begleitete: da sind einmal meine Beine (hinter Whena, der Reporterin) und einmal meine Haare (beim [...]
Von: Update: Movie star « aotearoablog am 7. Dezember 2009
um 07:03
[...] very next day you took it away“ in der Dauerschleife reingezogen hab!) und Rudolf‘s Schlittentee in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Nun, letztes Jahr ist der Versuch so ziemlich fehlgeschlagen. Da war den ganzen Dezember üer [...]
Von: 01/12/2010 ~ Winterzauber « aotearoablog am 2. Dezember 2010
um 01:22